Pilgern im Rollstuhl

Nicht jeder Rolli-Fahrer wird in der Lage sein, es Felix Bernhard gleichzutun und u.a. die Via de la Plata alleine mit dem Rollstuhl zu fahren (Buchtipp: Dem eigenen Leben auf der Spur, Felix Bernhard).

Zwar gibt es in einigen spanischen Pilgerherbergen mitlerweile geeignete Unterkünfte, aber weite Strecken des Weges dürften doch für den "normalen" Rolli-Fahrer unpassierbar sein (wenn schon ein Radfahrer nicht weíterkommt..)

Trotzdem, es werden sich sicher Wege finden die machbar sind:

Unser Pilgerfreund Helmut ist selbst auf den Rolli angewiesen und hat hier im Norden schon einige Touren gemacht, hier seine Zeilen:

 

Auf dem Pilgerweg mit einem Rollstuhl? JA, ich habe es nun
mehrfach erlebt, bin mit einer Gruppe "mit gefahren" in einem eRolli. Und
ich / wir würden uns freuen mit dir Kontakt aufzunehmen, wenn du als
Rolli-Fahrer auch den Wunsch / Idee hast dabei zu sein. Es ist ganz wichtig,dass wir dann in Ruhe miteinander überlegen, wie das machbar zu machen ist.
Fragen? Bitte anrufen beim Pilgerbüro St. Jacobi und nach Conny fragen oder mich anrufen unter (wir geben die Telefonnummer bei Interesse gerne weiter! ) 

Ich bin gespannt ... Helmut

 

 

Dazu hat Felix Bernhard, selbst Pilger im Rollstuhl zwei Bücher geschrieben: "Weglaufen ist nicht" und "Dem eigenem Leben auf der Spur"!          Kontakt:      www.felixbernhard.de 

Pilgern mit Handicap

Neben den Rollli-Fahrern gibt es natürlich zahlreiche andere persönliche Einschränkungen die eine Pilgerwanderung erschweren können.

 

Sind es bei chronisch Kranken "nur" die  Medikamente die mitgetragen werden müssen (hier ist die Vorbereitung wichtig - z.B. sich ein internationales Rezept zu besorgen um vor Ort problemloser an Nachschub zu gelangen, den Hospitalero bitten etwas Platz im Kühlschrank zu machen für die Medizin - falls das nicht möglich ist in der nächsten Bar fragen oder eben einen Nachbarn der Herberge! - Hier kann es sinnvol sein einen entsprechenden Satz auf Spanisch vorformulieren zu lassen wenn man die Sprache nicht ausreichend beherrscht), stehen andere aufgrund persönlicher Einschränkungen vor ganz anderen Problemem.

 

Blinde/ Sehbehinderte können den Weg sicher mit Begleitung gehen, sofern sie sich auch sonst sicher im Alltag bewegen. Ich habe auf dem Frances ein Paar getroffen, sie war blind und beide sind nur einen Tag nach mir in Santiago eingetroffen. Da mein Freund blind ist kann ich abschätzen was dies bedeutet  - nämlich vor allem die Bereitschaft sich 24 Std. am Tag in allernächster Nähe gemeinsam zu bewegen. Denn neben dem Führen über den Weg (erhöhte Aufmerksamkeit auch seitens des Führenden notwendig da ja beiden der Weg unbekannt ist!) sind auch die Gegebenheiten abends in der Herberge unbekannt. Wo der Partner daheim gut alleine klar kommt, braucht er hier Hilfe!

 

Generell haben viele der staatlichen Herbergen (in Galicien würde ich sagen alle) ein Behindertenzimmer, dieses wird freigehalten und erst am späten Nachmittag/ Abend auch für andere Pilger freigegeben. Bei anderen Herbergen ist dies jedoch nicht sehr häufig der Fall, auf die Mithilfe der Mitpilger ist man angewiesen (Treppen rauftragen usw.) wird sie aber in der Regel auch finden.

 

Bei entsprechender Konstitution, Bereitschaft zu improvisieren und ggfs. Etappen, die aus welchen Gründen auch immer nicht machbar sind,  mit dem Bus oder Auto zu bewältigen kann der Camino auch für Leute mit Einschränkungen machbar sein.

 

Psychische Erkrankungen / Probleme

 

Viele Pilger die den Jakobsweg gehen tragen eine Frage/ ein Problem mit sich.

Auch die Frage "Warum gehe ich den Camino" gehe ich vielleicht an anderer Stelle ein, möchte hier nur sagen, dass dieser Frage oft unterwegs gute Gespräche folgen, man Impulse für sein eigenes Leben erhält aber auch anderen geben kann.

Es gibt Momente auf dem Camino, die in Grenzbereiche gehen, nicht nur einmal habe ich erlebt wie ein Mitpilger/in in Tränen aufgelöst aus solchen Situationen kam und es sehr wichtig war, das sich unter den Mitpilgern/ Hospitaleros jemand mit genug Mitgefühl, Übersicht aber auch eigener innerer Kraft befand denjenigen aufzufangen.

Damit will ich sagen, es ist häufig unterwegs leichter Gefühle zuzulassen (manchmal ist wohl einfach die körperliche Erschöpfung schuld....) und oft ist es gut das man dadurch Hilfe erleben kann.

ABER - Menschen die psychische Erkrankungen haben, können auf diesem Weg sehr schnell in solche Situationen geraten und wenn dann niemand da ist ,der richtig oder professionell reagieren kann, ergibt sich vielleicht nicht nur für den Betroffenen sondern auch für die Mitpilger eine sehr schwierige, eventuell gefährliche Situation.